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Zeitschrift "Ansprüche"

Aus dem Editorial des ersten Heftes der Ansprüche (1/94)

"... Doch so verlegen bin ich nie gewesen: / Zwar sind sie an das Beste nichtgewöhnt, l Allein sie haben schrecklich viel gelesen. / Wie machen wir's, daß alles frisch und neu / Und mit Bedeutung auch gefällig sei?... " (Goethe, Faust I, Vorspiel auf dem Theater)

Vor dieser klassischen Frage steht nunmehr das neue Redaktionsteam. Wir, das sind KollegInnen aus Ost und West, aus Praxis und Lehre, VertreterInnen verschiedenster juristischer Berufsgruppen. Unterschiedliche Lebens- und Redaktionserfahrungen treffen aufeinander. Neben Namen bekannter SchreiberInnen von "VDJ-Forum" und "Demokratie und Recht" stehen für diesen LeserInnenkreis (für dieses Projekt) noch unbekannte. [. . .]

Wir haben die vielleicht phantastische, wahnwitzige Vorstellung, ein unterhaltsames aber nicht anspruchsloses juristisches Magazin zu schaffen. Oder, anders ausgedrückt, ein Blatt, das der Anwalt in der Kaffeepause liest und das in Doktorarbeiten zitiert werden kann.

Wir wollen an Bewährtes anknüpfen, die Tradition des VDJ-Forums weiterführen, dabei allerdings stärker aus dem Rahmen des reinen Verbandsorgans heraustreten. Schließlich soll die Lücke geschlossen werden, die die Einstellung von "Demokratie und Recht" hinterlassen hat.

Das kann keine weitere juristische Fachzeitschrift sein, von denen es bereits (zu) viele gibt, sondern ein Forum, ein Marktplatz der Meinungen außerhalb des offiziellen Mainstream soll geschaffen werden. "Ansprüche" kennt jede/r Juristin aus der täglichen Arbeit. Wir wollen in unserer neuen Zeitschrift sowohl Ansprüche stellen als auch (hoffentlich) befriedigen. Wir sehen die Grundprinzipien unserer Arbeit in den Leitprinzipien Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Sowohl die herrschende Rechtspolitik als auch das juristische Alltagsgeschäft sollen aufs Korn genommen werden. [. . .]

Bewährtes, wie Fragen des Ausländer- und Asylrechts, Arbeits- und Sozialrechts, Entwicklung in der Strafrechtspolitik sollen weiter im Angebot sein. Auch Berichte aus der Arbeit der kritischen JuristInnenverbände, Veranstaltungstips und Buchbesprechungen sollen nicht fehlen. Ja - auch das Schwierigste haben wir uns vorgenommen - Humor und Satire sollen nicht zu kurz kommen.

Noch Wünsche offen? Ich hoffe sehr viele.

Als letzte "Überlebende" der alten "VDJ-Forum"-Redaktion wünsche ich mir eine ähnlich produktive Atmosphäre wie im bisherigen Frauenteam. Wo wir neben allem Streit auch immer mit- und übereinander lachen konnten. Diese Atmosphäre sollen auch unsere möglichst vielen LeserInnen zu spüren bekommen und zu Mitarbeit und Meinungsstreit animiert werden.

Birgit Stenzel

 

06/03/2006 - 11:59 - © VDJ