Joachim Schwammborn – „Bundessekretär“ (1944-2026)

Am 6. Juni 2026 ist Rechtsanwalt Joachim Schwammborn gestorben. Er war langjähriger Bundessekretär der Vereinigung und später ihr Vorsitzender. In Frankfurt am Main, aber auch darüber hinaus, war er für viele Jahre das Gesicht der Vereinigung. Bald nach der Gründung arbeitete er als Bundessekretär eng mit den ersten Vorsitzenden, zunächst bis 1977 mit Prof. Dr. Gerhard Stuby und danach mit Prof. Dr. Norman Paech bis 1986 zusammen, bis er deren Nachfolge als Vorsitzender antrat.

Mit seinem organisatorischen Geschick war er das Rückgrat der Vereinigung und ermöglichte die Kontinuität und Ausdehnung ihrer Arbeit, die schon bald in die Beobachtung durch den „Verfassungsschutz“ geriet. Ursache dafür war die rege Aktivität der Vereinigung gegen die Berufsverbote und die Beteiligung an den Protesten der Friedens- und Studierendenbewegung gegen die Nachrüstung und den Vietnamkrieg, gegen die Notstandsgesetzte und das rechtstaatswidrige Vorgehen gegen die RAF – Positionen, die zu dieser Zeit als „kommunistisch“ verächtlich gemacht wurden.

In diesen bewegten Zeiten, die viel Engagement und Zeit verlangten, war Joachim Schwammborn die zentrale Stütze der VDJ. Seine absolute Zuverlässigkeit, seine organisatorischen Fähigkeiten und sein souveränes Auftreten machten die zahlreichen Initiativen der Vereinigung und ihr rechtspolitisches Wirken erst möglich. In jenen Jahren spielten die Verbindungen zu zahlreichenSchwesterorganisationen der „Internationalen Vereinigung demokratischer Juristen“ u.a. in England, Frankreich, der DDR, Polen und der Sowjetunion eine besondere Rolle, die Joachim Schammborn mit seinem Büro unterstützte und pflegte.

Seine Arbeit war von einem klaren Kompass bestimmt, der sich auf den gesellschaftlichen Fortschritt richtete und deswegen auch heute anschlussfähig ist. Seine praktische Arbeit als Rechtsanwalt in der kompromisslosen Verteidigung der Kriegsdienstverweigerung kann uns als Vorbild bei der gegenwärtigen Remilitarisierung der Bundesrepublik dienen. Ende der 80er Jahre veranstaltete Joachim Schwammborn mit Mitstreiter*innen eine große Tagung zu Recht und Umweltfragen, aus welcher der Band „Auf dem Weg in die Welt, in der wir leben möchten“ hervorgegangen ist. Er beinhaltet Beiträge von namhaften Autor*innen, Klaus Dörre, Wolfgang Däubler und Ulrich Mückenberger sind nur einige davon. Joachim Schwammborn schreibt in der programmatischen Einleitung: „Die Erkenntnisfähigkeit derJuristen, die den gesellschaftlichen Normapparat konstruieren und anwenden, hat bisher nicht dazu ausgereicht, sie zum präventiven Schutz der Umwelt zu befähigen.“ Es ist sehr zweifelhaft, ob sich daran in einem ausreichenden Maßeetwas geändert hat. Die repressive Verfolgung von Klimaaktivist*innen – statt von Umweltzerstörung – dürfte eher auf das Gegenteil hinweisen. Es sind nur zwei Beispiele für viele, in denen seine Position weiterhin die unsere ist.

Wir haben außerordentlich gerne mit „Jochen“ zusammengearbeitet. Er war freundlich und großzügig, stellte der Vereinigung sein Haus zur Verfügung, wenn wir zu unseren regelmäßigen Sitzungen aus den verschiedenen Richtungen der Bundesrepublik in Frankfurt zusammenkamen, er war immer glänzend sortiert und vorbereitet. Das Bestehen einer Frankfurter Regionalgruppe wäre ohne sein Wirken nicht denkbar. In den Jahren seiner Krankheit nahm er unvermindert Anteil an der Arbeit „seiner“ Vereinigung. Wir wissen, was wir ihm zu verdanken haben.

Der Bundesvorstand

Bei Presserückfragen wenden Sie sich an: Dr. Andreas Engelmann, Bundessekretär der VDJ, Tel.: 06971163438, E-Mail: bundessekretaer@vdj.de
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